Über oa books

Seit 2014, seit dem Abschluss meiner Dissertation zum Verhältnis von ästhetischer Erfahrung und feministischer Theorie am Seminar für Filmwissenschaft der Freien Universität Berlin, gehört zu meinen Forschungsschwerpunkten das wissenschaftliche Publikationssystem und der Zugang zu Forschung. Dabei untersuche ich die Bedeutung von Open Access und Peer Review, das symbolische Kapital des (gedruckten) Buches und die Potentiale digitalen Publizierens

Mit der Abgabe meiner Dissertation kam die große Frage nach dem warum. Warum sich jahrelang mit der ästhetischen Erfahrung von Chick Flicks beschäftigen? Wen interessiert die Inszenierung feministischer Theorie in Filmen? Und vor allem: Wer möchte darüber lesen? Oder vielmehr: Wer hat überhaupt Zugriff auf Forschungsergebnisse und wie wird Wissen produziert und verbreitet? Mit dem Heraustreten aus dem stillen Kämmerlein sah ich mich mit grundlegenden Fragen akademischen Wirkens konfrontiert: Wer liest all die Bücher und Artikel, die fortwährend veröffentlicht werden? Ist die Monographie noch zeitgemäß? Brauchen wir gedruckte Bücher? Warum herrschen selbst in der Film- und Medienwissenschaft relativ starke Vorbehalte gegenüber digitalen Formaten vor? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen haben 2016 zu der Website oabooks.de geführt.

Zunehmend experimentieren wissenschaftliche Institutionen und Organisationen mit Open Access und schaffen eigene Repositorien, über die Texte und Monographien kostenfrei online zugänglich gemacht werden. Außerdem versuchen sich mehr und mehr Wissenschaftsverlage an digitalen Veröffentlichungswegen und entwickeln neue Produktionsweisen, Distributionsformen und Geschäftsmodelle. Viel Zeit habe ich damit verbracht, die Gründung eines eigenen Verlags zu realisieren. Ich wollte neue Publikationsformate erproben, die eine Antwort auf den unterschiedlichen Gebrauch von Forschungsliteratur und den sich verändernden Lesegewohnheiten zu Zeiten des „digitalen Wandels“ bieten und eine offenere, flexiblere Nutzung von Publikationen erlauben. Dafür habe ich mich eingehend mit eBooks, Businessplänen und Wissenschaftspolitik beschäftigt. Doch dann – nun in der Rolle der Verlegerin, die ohne öffentliche Förderung mit Open-Access-Büchern Geld verdienen muss – habe ich mich entschieden, zunächst meine eigene Dissertation in verschiedenen Versionen zugänglich zu machen, um zu sehen, was passiert. Ich habe sie in der Originalversion hochgeladen, eine (anfangs kommentierbare) Website mit Bildern und Videos erstellt sowie eine Print-on-demand-Publikation herausgebracht und englische Übersetzung durchgeführt. Wie oft wird die Arbeit gelesen, wenn sie online verfügbar ist? Wird die Arbeit kommentiert? Wie groß ist das Interesse an einer gedruckten POD-Fassung, wenn es eine kostenfrei zugängliche Online-Version gibt? Welchen Impact hat eine englische Übersetzung? Wie kommt eine hybride Publikation in der Community an? Eine schriftliche Reflexion des Projekts habe ich für das Buch The Digital Dissertation: History, Theory, Practice verfasst [Artikel].

Im September 2019 ist ein zweites Buch bei oa books erschienen, die Übersetzung meiner Kolleg:innen von Roger Odins Kommunikationsräume. Die Verlagsidee hat sich somit rund drei Jahre nach der Veröffentlichung der eigenen Dissertation erfreulicherweise doch noch realisiert. An dieser Stelle vielen Dank an meine Kolleg:innen für das Vertrauen und die Risikobereitschaft und an alle, die mich in diesem Vorhaben unterstützt haben.

September 2021