Über mich, Sarah-Mai Dang (CV-DE, CV-EN)

Seit dem Abschluss meiner Dissertation zum Verhältnis von ästhetischer Erfahrung und feministischer Theorie am Seminar für Filmwissenschaft der Freien Universität Berlin im Jahr 2014 beschäftige ich mich mit dem wissenschaftlichen Publikationssystem und dem Zugang zu Wissen. Dabei setze ich mich mit Open Access, Peer Review, dem symbolischen Kapital des (gedruckten) Buches und dem Potential digitalen Publizierens auseinander. Darüber hinaus interessiere ich mich für Open Science, Digital Humanities, audiovisuelle Ästhetik und Feminismus.

Mehrere Jahre habe ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Filmwissenschaft und im Sonderforschungsbereich „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“  (SFB 626 ) an der Freien Universität Berlin gelehrt und geforscht. Während eines USA-Aufenthalts als Doktorandin am German Department der University of Michigan habe ich einen Master of Arts gemacht. Später war ich in der Fachgruppe Medienwissenschaft der Universität Bayreuth tätig. Seit April 2018 arbeite ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. In meinem aktuellen Forschungsprojekt gehe ich der Frage nach, wie digitale Technologien das Verständnis von und den Umgang mit Filmgeschichte prägen. Dafür untersuche ich die digitale Repräsentation von Forschung zu Frauen im Frühen Kino.

Über die Website
Mit der Abgabe meiner Dissertation kam die große Frage nach dem warum. Warum sich jahrelang mit der ästhetischen Erfahrung von Chick Flicks beschäftigen? Wen interessiert die Inszenierung feministischer Theorie in Filmen? Und vor allem: Wer möchte darüber lesen? Oder vielmehr: Wer hat überhaupt Zugriff auf Forschungsergebnisse und wie wird Wissen produziert und verbreitet? Mit dem Heraustreten aus dem stillen Kämmerlein sah ich mich mit grundlegenden Fragen akademischen Wirkens konfrontiert: Wer liest all die Bücher und Artikel, die fortwährend veröffentlicht werden? Ist die Monographie noch zeitgemäß? Brauchen wir gedruckte Bücher? Warum herrschen selbst in der Film- und Medienwissenschaft relativ starke Vorbehalte gegenüber digitalen Formaten vor? Wollen Geisteswissenschaftler:innen überhaupt gelesen werden? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen haben zu meiner Website oabooks.de geführt.

Zunehmend experimentieren wissenschaftliche Institutionen und Organisationen mit Open Access und schaffen eigene Repositorien, über die Texte und Monographien kostenfrei online zugänglich gemacht werden. Außerdem versuchen sich mehr und mehr Wissenschaftsverlage an digitalen Veröffentlichungswegen und entwickeln neue Produktionsweisen, Distributionsformen und Geschäftsmodelle. Lange habe ich mit dem Gedanken gespielt, selbst einen Verlag zu gründen, um neue Publikationsformate zu erproben, die eine Antwort auf den unterschiedlichen Gebrauch von Forschungsliteratur und den sich verändernden Lesegewohnheiten zu Zeiten des „digitalen Wandels“ bieten und eine offenere, flexiblere Nutzung erlauben. Dafür habe ich mich eingehend mit eBooks, Businessplänen und Wissenschaftspolitik beschäftigt. Doch dann – plötzlich in der Rolle der Verlegerin, die ohne öffentliche Förderung mit Open-Access-Büchern Geld verdienen muss – habe ich mich entschieden, zunächst meine eigene Dissertation in verschiedenen Versionen (Originalversion, kommentierbare Website mit Bildern und Videos, Print-on-demand-Publikation, englische Übersetzung) zugänglich zu machen, um zu sehen, was passiert. Wie oft wird die Arbeit gelesen, wenn sie online verfügbar ist? Wird die Arbeit kommentiert? Wie groß ist das Interesse an einer gedruckten POD-Fassung, wenn es eine kostenfrei zugängliche Online-Version gibt? Welchen Impact hat eine englische Übersetzung? Wie ist das Feedback zu diesem Weg der Veröffentlichung? Eine schriftliche Reflexion des Projekts wird bald im Buch The Digital Dissertation: History, Theory, Practice erscheinen [Preprint].

Im September 2019 ist ein zweites Buch bei oa books erschienen, die Übersetzung von Roger Odins Kommunikationsräume. Die Verlagsidee realisiert sich rund drei Jahre nach der Veröffentlichung der eigenen Dissertation somit erfreulicherweise doch noch. Vielen Dank für das Vertrauen an meine Kolleg:innen und alle anderen, die mich darin unterstützt haben!